Fortunat Frölich

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- texte / presse -

missaverde
Beat Brechbühl

Als Fortunat Frölich mich fragte, ob ich für eine Missa verde den Text schreiben möchte, war ich perplex. Ohne viele Gedanken daran verwendet zu haben, hatte ich Messen bis dahin als eine katholische Angelegenheit betrachtet. Und: Selten ist jemand so reformiert erzogen worden wie ich. Die sozusagen mehrfache Religiosität, die mir hätte beigebracht werden sollen, bezweckte immerhin dass ich die (Luther-) Bibel mindestens dreimal ganz von vorne und dreimal von rückwärts las (abgesehen vom Immerwiederlesen der interessantesten Geschichten) und somit in meinen jungen Jahren recht bibelfest war.

Was hat dies mit einer Missa verde zu tun? Dass ich in den meisten Dingen, die ich tue, längst versuche, grenz- und religionsüberschreitend zu arbeiten. Dass ich versuche, in religiösen Themen das Lebendige herauszuspüren, aus Rahmen und Verkleidungen herauszuholen und das Brauchbare davon in heutiger Sprache, mit möglichst wenig Konzessionen und Konventionen, für unsere Zeit verwendbar zu machen.

Ich habe die Essenz von Religionen - für mich gleichen sich die Kernpunkte von Religionen ohnehin - , soweit sie nicht zerstörerisch wirken, immer als wertvoll empfunden; nur mit leeren Hüllen kann ich nichts anfangen.

So konnte ich mir eine Missa verde vorstellen: Jung, frisch, in den Aussagen deutlich, in der Atmosphäre nah menschlich, ohne religiöses Korsett. Die Themen der bisherigen (katholischen) Messe habe ich sozusagen säkularisiert, das heisst, ich habe aus den jahrhundertealten immer gleichbleibenden Themata Fragestellungen und Sprache von heute gemacht. Zum Beispiel

Kyrie      = Angst und Mut; Enter
Dies irae  = Feuer des Zorns
Gloria     = Liebe, Freude
Credo      = Macht; Kreist ein
Sanctus    = Durst; Ein ganzer Tag

Sehr wichtig ist mir, dass ein solcher Text alle Lebensbereiche beinhaltet, ohne diese nun plakativ der Reihe nach abzuhandeln; dass das Göttliche inner- und ausserhalb des Ganzen die Erhaltung, Preisung (auch kritische) und Metaphysik allen Lebens und somit auch des Weggehens, des Sterbens, darstellt.

missaverde
Beat Brechbühl

When Fortunat Frölich asked me if I would like to write the text for a Missa verde, I was perplexed. Without having thought much about it, I had until then seen masses as something only for Catholics. And seldom has someone been brought up in such a Protestant way as I was. The exemplary piety I was taught involved reading the Bible (in Luther's translation) at least three times forwards and three times backwards (not counting repeated readings of the interesting stories), and so in my younger days I was well versed in the scriptures.

What does this have to do with a Missa verde? In most things that I do, I have long tried to seek out the living element in religious subjects, and to make useable what can be used in our time, in today's language, with the fewest possible concessions and conventions.

I have always felt the essence, the kernels of religion - which to me are all similar anyway - to be valuable, so long as they do

not have a destructive effect - but I don't know what to do with empty shells.

I could imagine a Missa verde like this: young, fresh, clear in its statements, human in its atmosphere, unconstrained by a religious corset. In a way I have secularised the themes of the original (Catholic) Mass, i.e. I have taken the centuries-old, unchanging themes and framed them in the questions and language of today. For example

kyrie   = Fear and courage; entry
dies irae = Fire of wrath
gloria   = Love, joy
credo   = Power; encircling
sanctus  = Thirst; a whole day

It is very important to me that such a text includes all aspects of life, although not necessarily one after the other; that the divine, both within and without the Whole, represents the perpetuation, praise (with criticism), and the metaphysics of all life, and thus includes departure and dying.